Modul Verletzlichkeit

VERLETZLICHKEIT.

Kategorie:
Selbstbewusstsein
Länge:
3 Teile, ca. 90 Minuten
Level:
Weißgurt

Mach Dich verletzlich!​

Ehrlich sein bedeutet: Waffen fallen lassen! Wir legen unsere Schutzmechanismen ab, machen uns angreifbar und somit verletzlich.
Verletzlichkeit heißt, Dich so zu zeigen, wie Du bist: Mit allen Wünschen, Vorlieben, Ängsten, Unsicherheiten, Ideen etc. Es bedeutet, Dein eigenes Ich zu akzeptieren, mit allen guten Seiten aber auch mit allen inneren Dämonen. 

Verletzlichkeit heißt, dass wir unsere Masken fallen lassen und uns öffnen, für Kritik, Zurückweisung, Ängste und Ungewissheiten. 
Damit vereinen wir alles, was uns Unbehagen macht … und darum sind wir hier!

Warum wir Ehrlichkeit & Verletzlichkeit vermeiden.

Wir lernen früh, dass es problematisch sein kann wir selbst zu sein. Gewisse soziale Konstrukte funktionieren nur, wenn wir uns anpassen, und je mehr wir uns anpassen, desto reibungsloser läuft es – scheinbar. Eine angepasste Meinung schützt uns vor genervten Eltern und schimpfenden Kindergärtner*innen. Eigenständiges Denken wird ungern gesehen – und da man uns leicht hochheben und wegtragen kann, ist das Durchsetzen als 5-Jähriger eher schwierig.

Neben Erziehung und sozialen Konstrukten, spielen gewisse Grundbedürfnisse eine Rolle: Wir wollen Liebe, Sicherheit, Teil einer Gruppe sein etc.

Der Mix aus Prägungen und Grundbedürfnissen lässt Verhaltensweisen, Glaubenssätze und Schutzmechanismen entstehen, die uns helfen, uns anzupassen, und die uns versichern wollen, sicher zu sein!

Je nachdem wie, warum oder wofür wir Ärger bekommen haben, haben wir Muster entwickelt, um uns zu schützen:
– Wir schämen uns für unsere Wünsche und Vorlieben (Was ist, wenn das kein anderer mag?“)
– Wir fühlen uns schuldig („Ich bin schlecht, weil ich das will …“)
– Wir haben Angst, Verantwortung für unser Verhalten zu übernehmen („Er wars!“)
– Wir haben Angst vor der Angst („Wenn ich mich dieser Sache stelle, passiert etwas Schlimmes!“)
– etc.

Im Groben lassen sich diese Schutzmechanismen zwei Gefühlen zuordnen. 

Die Hauptgründe für Unehrlichkeit: Angst & Scham.

Wir vermeiden Verletzlichkeit und uns zu öffnen entweder, aus Angst davor, nicht in die Gesellschaft zu passen, verurteilt zu werden, die Kontrolle zu verlieren, mit einer Situation / einem Schmerz nicht fertig zu werden etc., oder wir schämen uns für das, was wir mögen, was wir getan haben, unsere Emotionen, Schwäche gezeigt zu haben etc.

Unsere Schutzmechanismen sind dazu da, mit diesen negativen Gefühlen umzugehen. Wir versuchen, entweder die negativen Gefühle zu vermeiden oder sie noch zu bestätigen, um die Illusion von Sicherheit aufrechtzuerhalten. Diese Intention drückt sich in unserem Verhalten aus. Wir vermeiden: aufzufallen, etwas falsch zu machen, unseren Schmerz anzunehmen, eine andere Meinung zu haben etc.

Verletzlichkeit und Ehrlichkeit bedeutet, diese Illusion von Sicherheit gehenzulassen. Und dafür müssen wir nichtmal etwas Neues lernen, wir können das ehrlich sein schon. Viel mehr geht es darum, alte Sachen zu verlernen und Verhaltensmuster abzulegen, die uns scheinbar schützen. Wir wollen unsere Muster, Verhalten und Glaubenssätze hinterfragen, und uns klar darüber werden, dass man uns nicht mehr einfach wegtragen kann, wenn wir eine eigene Meinung haben, dass wir auch geliebt werden, wenn wir manchmal Idioten sind und dass autonomes Denken ziemlich sexy ist.

Was genau bedeutet Verletzlichkeit?

Verletzlich und ehrlich sein heißt für Dich selbst: „Akzeptiere alles, was in Dir vorgeht.“ und für Dich in Beziehung zu Anderen: „Teile alles, was Dich bewegt.“ (Mit „bewegt“ meine ich nicht, dass Du jeden Gedanken teilst, sondern dass Du teilst, was für Dich wichtig, interessant, wünschenswert etc. ist)

Konkret heißt das, dass Du Dinge tust wie:

  • Deine Ängste und Unsicherheiten mit Anderen zu teilen.
  • Dir einzugestehen, dass Du Schwächen hast.
  • Dir bewusst zu machen, dass Du nicht alles alleine kannst.
  • Witze zu machen, auch wenn sie vielleicht nicht lustig sind.
  • Eine Meinung zu vertreten, die Anderen vielleicht nicht gefällt.
  • Etwas Neues zu lernen.
  • Jemandem zu erzählen, dass Du ihn/sie magst.

All diese Verhaltensweisen tragen ein gewisses Risiko in sich: Sie tun weh, besonders wenn sie schiefgehen. Und genau das macht Verletzlichkeit zu der stärksten und zugleich subtilsten Kraft, die wir besitzen. Es ist, wie sich hinzustellen und zu sagen: „Das bin ich, nimm mich so, wie ich bin oder lass es.“
Du wirst dadurch authentisch, dass Du Dich und das, was in Dir vor sich geht für wertvoll hältst und zeigen kannst, dass Du mit Dir selbst zurecht kommst. Ehrlich mit Dir und allen Anderen zu sein zeigt, dass Du Dich so akzeptierst wie Du bist. Mit allem, was Dich ausmacht, Dich bewegt, Dir gefällt, Du nicht leiden kannst, Dich nervt, Deine Grenzen überschreitet etc. 
Ehrlichkeit ist das mächtigste Werkzeug, um unser Selbstvertrauen zu steigern. Wir übernehmen die Verantwortung und die Kontrolle für das, was wir sind. Wir sind authentisch, integer und die Gestalter unseres Lebens. 

Solang wir uns weigern zu zeigen, was in uns vorgeht, lassen wir uns von außen kontrollieren. Wir geben zu, dass uns die Meinung anderer wichtiger ist, als die Meinung, die wir selbst von uns haben. Im Gegensatz dazu, bedeutet ehrlich zu sein und sich verletzlich zu zeigen: „Scheiß auf die Konsequenzen, ich weigere mich, jemand Anderes zu sein, als die Person, die ich bin.“

Das bedeutet allerdings nicht, dass Du nicht an Dir arbeiten musst. Es heißt nur, dass Du akzeptierst, dass Du als Mensch nicht vollkommen bist – so wie jeder andere auch. 
Du kannst ehrlich sein und trotzdem ein Kotzbrocken! Zum verletzlich sein gehört auch, sich ehrlich zu reflektieren und sich einzugestehen, dass es Dinge und Verhaltensweisen gibt, die man an sich verändern sollte. 

Der Weg zum erfüllten Leben.

Ich höre und lese so oft: „Ich will geliebt werden für das, was ich bin.“ 
Allerdings sind die meisten Menschen nur selten sie selbst! Anstatt ihre Meinungen, Wünsche und Vorlieben zu äußern, versuchen sie oft, nicht negativ aufzufallen und von jedem gemocht zu werden. 

Verletzlichkeit bringt uns die Anerkennung, die wir schon immer suchen. Je offener wir uns zeigen, desto mehr lernen wir, dass wir Ok sind. Wenn wir damit anfangen, für uns und unsere Sache einzustehen, merken wir, dass wir trotzdem oder sogar genau deswegen geliebt werden. Wie davor, werden uns Leute mögen und Leute nicht mögen, aber diesmal aus dem Grund, weil wir uns bewusst entschieden haben, wir selbst zu sein.
Ehrlichkeit und Verletzlichkeit sind der einzige Weg, auf dem Du wahre, intensive Beziehungen aufbauen kannst: Du bist jetzt Du und jemand liebt Dich dafür – was gibt es besseres? 

Als netter Nebeneffekt macht uns Ehrlichkeit auch gelassen und schlagfertiger: Wer nichts zu verbergen hat, bietet Anderen auch keine Angriffsfläche. 

Wie werden wir jetzt ehrlicher mit uns?

Wir lernen Schritt für Schritt unsere Masken abzulegen und uns selbst der Welt zu zeigen. Das ist anfangs fruchtbar angsteinflößend – aber dafür sind wir da!
Je mehr Du Deine eigenen Muster und Blockaden entdeckst, die Dich davon abhalten, ehrlich zu sein, und je mehr Du beginnst, Du zu sein, desto mehr wirst Du lernen: Nichts verändert sich!
Dein Leben wird sehr wahrscheinlich bleiben wie es ist: Die gleichen Freunde, der gleicher Job, das gleiches Umfeld. Was aber im Hintergrund, still und heimlich eine enorme Wandlung durchlebt, ist Dein Selbstbewusstsein – Das ist die ganze Magie!

Dein Kopf beginnt zu verstehen: Ich kann ehrlicher sein und ein Stück ehrlicher und ein Stück ehrlicher und die Menschen bleiben trotzdem da und ich werde trotzdem akzeptiert.

Das war zumindest die Erfahrung, die ich gemacht habe (und ich bin noch lange nicht fertig damit). Es gibt kein besseres Gefühl, als zu verstehen:

„Ich kann sein, wie ich bin – und das ist ok!“

Quellen.

No more Mr. Nice Guy– Rober A. Glover (Deutsch)
Models – Mark Manson

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Audio.

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Aufgaben.

# 1 – Unehrlichkeiten Deiner letzte Woche.​

  1. Suche in Deiner letzte Woche alle die Momente, in denen Du nicht die Wahrheit gesagt hast.
  2. Frag Dich: Wieso? Hattest Du Angst? Wenn ja: vor was? Oder hast Du Dich geschämt?
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  3. Geh ins Detail! Warum hattest Du Angst? Welche Konsequenzen fürchtest Du? Wovor schämst Du Dich?
Diese Fragen sind wichtig, um Dein persönliches Problem mit Ehrlichkeit zu identifizieren. Wir haben alle unsere eigenen Muster und Probleme, es gibt keine „Eine für Alle“-Lösung. 

# 2 – Wie reagierst Du auf Die Meinung anderer.​​

  1. Stell Dir vor, Du fragst einen Freund um Feedback. Geh davon aus, er sagt Dir die Wahrheit und sie ist negativ. 
    – Wie reagierst Du, wenn man Dich kritisiert?
    – Welchen Schutzmechanismus nutz Du? Wirst Du (passiv) aggressiv? versuchst du abzulenken? (Schau Dir mal meinen Instagram Beitrag dazu an: https://www.instagram.com/p/B73z8P4IDOZ/
  2. Wie könntest Du besser auf Kritik reagieren?
  3. Feedback von Freunden ist eine sehr wertvolle Quelle, um herauszufinden, wo wir uns selbst belügen. Allerdings müssen wir erstmal lernen Kritik anzunehmen und anderen ein gutes bzw. neutrales Gefühl dabei zu geben, uns zu kritisieren. 
    Es geht nicht darum, ob eine Kritik gerechtfertigt ist oder nicht, es geht darum, eure Verhaltensmuster zu erkennen, wenn ihr kritisiert werdet.

# 3 – Sag jemanden etwas über Dich, dass Dir unangenehm ist. ​

Nimm zum Beispiel die Aufgaben von oben, geh zu einem Freund/einer Freundin und sag folgendes:
„Hey, hör mal, ich würde gerne Deine Meinung wissen. Bitte sag mir, ob Du glaubst, dass ich mir in manchen Dingen was vorlüge. Bitte sei ehrlich, auch wenn Deine Antwort negativ ist. Ich hab gecheckt, dass ich auf Kritik abweisend reagiere und ein bisschen passiv-aggressiv werden kann. Ich entschuldige mich schonmal im Voraus. Das ist ein Muster, an dem ich gerade arbeite. Wenn das passiert, bitte nimm es mir nicht übel und sag’s mir. Ich werde alles tun, um damit aufzuhören und wenn es mir zu viel wird, dann brechen wir ab.“ 

Wenn ihr das noch nie gemacht habt, wird euch vielleicht schon beim Lesen unwohl, aber ich hoffe ihr merkt gleichzeitig, die Aufrichtigkeit und die Kraft die hinter einer Aussage wie dieser steckt. So ein Gespräch kann eure Beziehung zu dieser Person auf ein viel intensiveres Level bringen. Ihr müsst natürlich nicht so krass anfangen, aber es lohnt sich.

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