Modul Pain Period

Pain-Period

Kategorie:
Ehrlich zu sich selbst.

Warum Veränderung weh tut!

Ab heute wird alles anders!
Die letzten zwei Wochen hast Du Artikel gelesen, Bücher gewälzt, Dir einen Plan zurechtgelegt, Dir einen Habit-Tracker gekauft und heute Morgen zehn Minuten in Deiner Power-Pose ausgeharrt – Alles ist bereit, um Dein neues Leben anzugehen und endlich ehrlicher zu werden!

Los geht’s, mit Punkt 1: Der Freundin sagen, dass ihr Omelett eher mittelmäßig ist.
Bereit? „Hmm … Heute ist es gar nicht so schlecht. Ich mein … nur auf einer Seite schwarz. Und, gestern hatte sie auch echt einen schlechten Tag. Sie sieht immernoch super gestresst aus. Ich mach das lieber morgen: Ich bin ja kein Arsch!“

Erstmal Punkt 1 im Habit-Tracker auf Morgen verschieben – mit gutem Recht. Zeit für Punkt 2 auf der Liste: Den Chef um mehr Gehalt bitten.
Bereit? „Nochmal im Kopf durchgehen, was ich sagen will. Was war das nochmal… und wie genau hab ich das formuliert? Shit – vergessen! Ich wusste, ich hätte die Notizen mitnehmen sollen. Ich lese es mir heute Abend nochmal durch und mach es dann Morgen! So eine Sch**, heute war der Perfekte Tag dafür!“

Naja… still motivated! Punkt Nummer 3 ist einfach: Dem besten Freund sagen, dass ich wütend auf ihn bin, weil er mir mein Geld nicht gibt.

„… … … geht gerade nicht an sein Telefon. Ich hab dann auch den ganzen Tag keine Zeit mehr und er mag telefonieren eigentlich eh nicht. Ich warte, bis wir uns treffen.“

Warum wir nicht machen, was wir uns vornehmen.

Unsere Pläne bleiben meistens Pläne und weil uns das stört, fangen wir an zu planen, wie wir unsere Pläne umsetzen – das freut die „Lebensplaner“-Industrie.

Wir sind großartige darin, uns zu überlegen, was wir verändern wollen – aber es dann zu ändern ist doch irgendwie anstrengender, als wir erwartet haben. Alte Verhaltensweisen abzulegen und etwas Neues zu versuchen beginnt immer mit innerem Widerstand: Der sogenannte Pain-Period. In dieser fühlen wir uns unwohl, weil wir den Status Quo infrage stellen und dadurch innere Schutzmechanismen wecken.
Veränderung heißt, die Kontrolle abgegeben, Unsicherheiten akzeptieren, Konsequenzen nicht einschätzen können und vielleicht am Ende blöd dastehen: sich verletzlich machen.

Wenn Dir eine Veränderung schwerfällt, hat es einen Grund und dieser Grund sind sehr oft verbuddelte Gefühle:
Bewusst oder unbewusst versuch wird diese Gefühle um jedem Preis zu vermeiden, darum haben wir sie seit Ewigkeiten ignoriert und darum ist Veränderung manchmal so verdammt schwer.

Um diese Gefühle nicht angehen zu müssen, haben wir uns viele Gründe zurechtgelegt, warum sie ok sind oder wir etwas nicht machen müssen. Deshalb hat unser Verstand, schon vor den ersten Versuchen, hilfreiche Dinge zu unsere Veränderung zu sagen: „Das schaff ich nicht!“, „Das dauert so lang!“, „Wofür das Ganze?“

Wir sind begnadet darin, unsere Gefühle zu rechtfertigen. Du wirst immer Gründe finden, um etwas nicht zu machen: „Ich muss mir das nochmal durchlesen, bevor ich zum Chef gehe!“, „Ich kann das auch Morgen erledigen.“, „Ich muss das nicht wirklich ausprobieren, es zu wissen reicht!“  – kurz: Du prokrastinierst.
Wenn Du intelligent genug bist, kommst Du seit Jahren nicht voran, weil Du ein Talent dafür hast, Argumente zu finden: „Das erste Insta-Video ist noch nicht perfekt“, „Für die Selbstständigkeit fehlt Dir noch Erfahrung“ und „Warum die Wahrheit sagen, Lügen braucht man zum Leben!“ (Siehe auf den „Die Dummen haben es leicht“-Post)

Je schlauer wir sind, desto überzeugendere Argumente fallen uns ein, warum wir sind, wie wir sind (Post dazu: Es liegt alles an den Stories, die Du Dir erzählst) und umso mehr können wir unsere Gefühle bzw. die folgenden drei Blockaden vor uns rechtfertigen.

#Blocker Nr 1: Ungewissheit, Unsicherheit, Angst.

Veränderung ist damit verbunden, dass wir uns Situationen stellen, von denen wir nicht wissen, wie sie ausgehen. Wir haben Angst vor den Konsequenzen und wir haben Angst, etwas nicht kontrollieren zu können:  Was ist, wenn alles schlimmer wird? Was ist, wenn ich mich nicht mehr „zurück ändern“ kann? Was ist, wenn ich nicht damit umgehen kann?

Wir glauben, dass uns etwas übermannen wird oder wir mit einem Outcome nicht fertig werden. Sei es Angst, Schmerz, Zurückweisung etc. Unser Kopf malt sich Horror-Szenarien aus – die wir nicht ganz zu Ende denken: Wir stoppen und verzweifeln meistens bei dem Anblick der Katastrophe.
Schon die Stoiker machten es sich es deswegen zur Aufgabe, sich regelmäßige zu fragen: Was ist das Schlimmste, was passieren kann? Und wie kann ich damit umgehen?
Wenn wir einen Schritt weiterdenken stellen wir oft fest, dass das alles halb so wild ist, oder anders gesagt: wir trotzdem überleben. 
Angst ist ein Schutzmechanismus. Er will uns vor dem Tod schützen – und Neues und Ungewisses kann Tod bedeuten. Wenn wir keine Erfahrung damit haben, unsere Angst zu konfrontieren und zu überwinden, scheint sie lähmend für uns und hindert uns daran, Neues zu probieren.

Grob kategorisiert gibt es vier verschiedene Angstmuster (Look at this: Wie Deine Angst Dich kontrolliert). Diese Muster entspringen Deiner Angst und stellen sicher, dass Du nichts machst, was gefährlich für Dich sein kann. Wir müssen lernen, diese Schutzmechanismen zu akzeptieren, aber trotzdem zu handeln. Angst ist natürlich und wird immer Teil von Dir sein. Es gibt keinen Trick, um für immer Angstfrei zu werden. Besser, als Angst zu vermeiden, ist es zu wissen, wie Du unter Angst reagierst.

Wenn Du weißt, wie Du unter Angst reagierst, fängst Du an, Deine Angst zu erkennen, zu akzeptieren und trotzdem zu handeln. Und wenn Du trotz Deiner Angst handelst, wird Deine Erfahrung, Dein Angst weniger werden lassen (wenn auch nie auslöschen.)

Wir werden auf das Thema Angst in weiteren Modulen intensiver eingehen, aber kurz gefasst:

  1. Eigene Angstmuster kennen.
  2. Verstehen, welche „Gründe“ Dein Kopf / die Muster finden, um Dich zu schützen.
  3. Gründe ignorieren.
  4. Trotzdem handeln.
     

#Blocker Nr 2: Dein Selbstbild.

Jeder von uns trägt ein Bild von dem herum, wie er ist oder besser gesagt: wie er seien will. Diese Bild besteht zum Teil aus unseren Wünschen, Hoffnungen, Prägungen etc. und zum anderen Teil aus gesellschaftlichen Normen und Vorstellungen. Und dieses Bild tragen wir nach außen, egal wie es uns eigentlich geht – wir konstruieren eine Maske.

Mit diesem Selbstbild sind Gefühle verbunden. Es wird begleitet von Erinnerungen, Geschichten, Glaubenssätzen, Träumen etc. Wenn wir beschließen etwas zu verändern, heißt das, dass wir unsere Geschichten unser Selbstbild und unsere Muster loslassen müssen. 

Warum haben wir überhaupt ein Selbstbild?
Wir brauchen eine Identität. Wir wollen wissen wer wir sind und warum wir so sind. Allerdings halten wir zu viel von dem, was wir über uns denken für die Wahrheit.
Denken ist Fluch und Segen unserer Psyche. Segen, wenn wir Lösungen suchen, Fluch, wenn wir Gründe finden wollen. Auf die Frage: „Warum bin ich so?“, geht Dein Kopf in der Vergangenheit auf Suche und findet Gründe, warum Du so bist.
Das ist ja logisch, danach hast Du gefragt, was soll er Dir den sonst liefern?
Um noch eins draufzusetzen, geht unser Kopf noch einen Schritt weiter: Wenn es keine Gründe gibt, erfindet er eben welche! (Das nennt sich der Blue-Dot-Effekt und ist in diesem Post dargestellt: Die Suche nach Happiness macht Dich unglücklich)

Je öfter uns Fragen: „Warum bin ich nicht liebenswert?“,  „Wieso mach ich immer dieselben Fehler?“ oder „Warum schaff ich das nicht?!“, desto mehr Gründe finden wir und umso bessere, kohärente Geschichten entstehen daraus. Diese Geschichten erzählen wir uns immer und immer wieder, bis wir ein Selbstbild geschaffen haben, dass uns beweist, warum wir sind, wie wir sind.

Wenn wir uns jetzt verändern wollen, kommen wir praktisch von heut auf morgen vorbei und sagen: Hey, dass was wir uns die letzen 10 Jahre erzählt haben ist quatsch. Wir machen hier dicht!“
Und Dein Kopf denkt sich: „Die ganze Arbeit der letzten 10 Jahre soll nutzlos sein?  Aber ich hab mir doch Verhaltensweise angeeignet, um so zu sein. Ich hab allen erzählt, dass ich so bin. Ich hab mir sogar eine Gitarre gekauft!“

Sich verändern bedeutet ein Teil von Dir gehen zu lassen. Ein Teil, der Dich vielleicht sehr lange begleitet hat und einmal nützlich für Dich war. An diesem Teil hängen Erinnerungen, Gedanke, Argument und starke Gefühle. (Post: Etwas muss sterben)
Als Beispiel: Viele Männer tragen das Selbstbild herum, ein starker Mann zu sein  bzw. sein zu müssen – im Klartext: keine Schwächen zeigen, keine Fehler zugeben und nicht lächeln! 
Das haben sie vielleicht von ihrem Vater oder es hat ihnen bisher vielleicht Anerkennung (von Männern) gebracht. Wenn sie sich jetzt wundern, warum sie keine tiefgründige Beziehung führen können, liegt das oft daran, dass sie glauben, sie müssen immer stark und fehlerfrei ihrer Frau gegenüber sein. Sie wollen so gesehen werden, weil sie glauben, dadurch Anerkennung zu bekommen. So haben sie es gelernt und das erzählen sie sich (bewusst oder unterbewusst).
Sie müssen erst lernen, dass Anerkennung durch Ehrlichkeit, Offenheit und Verletzlichkeit kommt. Und selbst, wenn sie das lernen und akzeptieren, hindert sie ihr Selbstbild oft dran, sich zu verändern, weil sie an dem alten Teil festhalten: Das Männer stark sein müssen, erzählen sie sich ja seit Jahren und ihr Vater hat es ihnen erzählt und die Erfahrungen, die sie gemacht haben, beweist das ja auch!

#Blocker Nr 3: Das „Gut fühlen“-Syndrom

Zurück zur Überschrift: Veränderung tut weh! Immer. Du kannst die Pain-Period nicht überspringen – der einzige Weg raus, ist durch sie durch.

Unsere Gesellschaft ist darauf aus, sich immer gut zu fühlen. Wir versuchen aktiv negativ Gedanken und Gefühle zu verdrängen, zu betäuben oder auszumerzen. Sich gut fühlen, setzen wir gleich mit glücklich sein und vermeiden deswegen alles, was sich schlecht anfühlt – dadurch verbauen wir uns allerdings den Weg, wirklich erfüllt und glücklich zu werden. 
Zu wachsen, zu lernen und sich zu verändern tut manchmal weh, aber das sind die Teile des Lebens, die uns am Ende einen Sinn und eine Erfüllung geben. 

Sich dauerhaft gut fühlen zu wollen und allen Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen macht uns a) zerbrechlicher und b) zu Sklaven unsere Emotionen, deren Befriedigung wir unaufhaltsam nachlaufen.

Sich zu verändern heißt zu akzeptieren: Es wird weh tun und es gibt keinen Weg daran vorbei. Du kannst Dich auf eine Veränderung Ewigkeiten vorbereiten: Yoga für den Flow, Affirmationen für das Mindset, Bücher für das Wissen, Heilsteine für die spirituelle Kraft und Klopapier – aus welchen Gründen auch immer. Es wird nicht besser!

Deine Angst, Ungewissheit, Scham etc. wird nur dadurch kleiner, dass Du sie konfrontierst (oder Dein Selbstbild änderst) und dafür gibt es keine Hilfe – versprochen!

Wenn Du aufhören willst Süßigkeiten zu naschen, hör auf zu naschen und wenn Du ehrlicher sein willst, sei ehrlicher.

Es wird wahrscheinlich sau unangenehm und es werden viele Gefühle hochkommen und Dein neuer Ansatz funktioniert erstmal nicht so gut, wie der alte: „Es wird erst schlechter, bevor es besser wird!“

Quellen.

Radikal Ehrlich* – Dr. Brad Blanton (Deutsch)
Nie mehr Mr. Nice Guy – Robert A. Glover (Deutsch)
Models – Mark Manson

Mit * gekennzeichnete Links sind Affiliate-Links.

Audio.

___STEADY_PAYWALL___

Aufgaben.

Überwinden die Pain-Period und verändere Dein Verhalten nachhaltig.

# 1 – Wie schützt Du Dich?​

  1. Finde eine problematische Situation (z.B.: Ehrlich zu jemandem zu sein) oder ein Verhalten, das Dich an Dir stört.
  2. Analysiere die Situation: Welche guten Gründe findet Dein Kopf dafür, dass Du Dich so verhältst und warum das auch OK ist? (z.B.: „Ich verletze die andere Person!“ oder „Rauchen entspannt mich einfach!“)
  3. Was wäre das Schlimmste, was passieren kann, wenn Du Deine Gründe einfach loslässt
    und etwas anderes / neues macht?
  4. Welche Schutzmechanismen werden durch Frage 3 in Dir ausgelöst? (z.B.: Ich muss erst den Artikel nochmal lesen …mit Nikotinpflaster!)

# 2 – Das Schlimmste ausmalen!​

  1. Vor was hast Du Angst es zu machen / es anzufangen / es zu verändern?
  2. Beantworte diese Fragen:
    – Was ist das Schlimmste, was Dir passieren kann?
    – Wie schlimm wäre es wirklich? 

      (Ist Deine Vorstellung von schlimm überhaupt schlimm?)
    – Wie wahrscheinlich ist es, dass dieser Fall eintritt? (Fakten!)
    – Wie würdest Du damit umgehen, wenn es passiert? 
      (Wir können mit so gut wie allem umgehen!)

# 3 – Finde die positive Absicht Deines Verhaltens.

Jedes unserer Verhalten hat eine positive Absicht und diese Absicht wollen wir nicht gehen lassen! (Dafür gibt es auch eine sehr wirksame NLP-Methode, die ich als Tool bald vorstellen werde.)

  1. Suche Dir ein negatives Verhalten. 
  2. Welche positive Absicht hat das Verhalten für Dich? Was will es damit erreichen, dass es da ist? Hatte es einmal einen guten Zweck, den Du aber vielleicht nicht mehr brauchst?
    Wir wollen das negative Verhalten oft loswerden und haben vielleicht starke Gefühle ihm gegenüber, weil es uns schon lange stört. Geh wertschätzend mit dem Verhalten um. Es hat oder hatte seinen Zweck und will gutes für Dich!
  3. Nachdem Du die positive Absicht gefunden hast: Findest Du ein neues Verhalten, dass diese Absicht erfüllt, aber generell positiver für Dich ist? 
    (z.B.: Cool sein durch gesund ernähren, als durch Rauchen. ← Klingt sau dumm, ist aber meine Geschichte!)

# 4 – Es hilft nur machen!

Wie im Artikel geschrieben: „Wir können nicht daran vorbei, der einzige Weg ist mitten durch!“. Veränderung verläuft nicht reibungslos. Wir haben alles getan, um Dich darauf vorzubereiten –  jetzt liegt es an Dir, es auch zu machen. Du musst Deine ganzen „Aber“ überwinden, deine Ausreden kennen und ignorieren und die unangenehmen Gefühle akzeptieren!

Mein erster Instagram-Post, mein erster Vortrag, mein erstes Video, mein erstes „Ich finde das blöd, was Du machst!“ usw. hat sich merkwürdig angefühlt. Einigen Dingen bin ich wochenlang aus dem Weg gegangen und bei anderen dachte ich mir: Ich würde lieber sterben, als das zu machen!
Manche Dinge fühlen sich immer noch merkwürdig an, aber anderes ist mittlerweile Alltag für mich. Teilweise fällt es mir sogar schwer, mir vorzustellen, dass ich mal Angst davor hatten.

Nach oben scrollen