Der erste Block des Kommunikations-Kurses dreht sich um das Thema: Den anderen verstehen. Und der erste Schritt, um den anderen zu verstehen ist, sich darüber bewusst zu werden, dass wir unterschiedliche Weltbilder haben.

Unterschiedliche Weltbilder: The Map is Not the Territory. 

Eine taurige Nachricht zum Start: Wir Menschen können nie die Wahrheit kennen! Auch wenn das, was wir denken, sich für uns wie die Wahrheit anfühlen mag.

Unsere Sicht auf die Welt ist wie eine Landkarte der Realität. Basierend auf unseren Erfahrungen, Prägungen und Glaubenssätzen filtern wir die Information, die wir von außen erhalten. Dadurch schaffen wir uns eine subjektive innere Landkarte davon, wie die Welt ist – oder zu sein hat. 

Die Corona-Krise ist ein gutes Beispiel: 

Gehen wir davon aus, dass zwei Menschen ihren Job verlieren. Sie haben im Großen und Ganzen die gleichen Umstände: Sie wohnen alleine, haben ein bisschen erspartes, und ähnliche Fixkosten (und den gleichen emotionalen Bezug zu ihrem Job etc.).

Person A nimmt die Situation entspannt. Sie geht ihren Hobbys nach, warten ab und findet bei Bedarf eine Lösung.

Person B ist jeden Tag den Tränen nahe, malt sich das Schlimmste aus und jammert an jeden hin, der in der Nähe ist. 

Das heißt nicht, dass Person A gesund und Person B kaputt ist. Sie haben nur gelernt, anders auf so eine Situation zu reagieren. Person B hat ein makelloses System, um sich Sorgen zu machen – ob es nützlich ist, ist eine andere Frage.
Vielleicht hatte Person B sehr emotionale Eltern oder war schon mal kurz vor dem Verhungern oder hat den Glauben entwickelt, dass Veränderungen immer sehr schmerzhaft sind. In ihrem Weltbild ergibt ihr Verhalten absolut Sinn und das müssen wir verstehen. Ende. Kein Verurteilen, kein Runtermachen, kein Augenrollen. 

(Das heißt nicht, dass wir alles akzeptieren müssen, was eine andere Person macht, aber darüber sprechen wir im drittel Teil des Kurses.)

Nehmen wir ein weniger dramatisches Beispiel:

Für mich ist Essen nicht sonderlich wichtig (außer Brot!), ich leg keinen Wert auf kulinarische Feinheiten, rede nicht viel über Essen und interessiere mich wenig dafür, ob Essen schön angerichtet ist.  

Wenn das bei dir anders ist, wirst du dich vielleicht wundern, warum ich mich nicht darüber freue, dass du viel Zeit und Mühe ins Kochen steckst.

Aus den alltäglichen Banalitäten wachsen die meistens Missverständnisse und Streitsituationen.

Das führt dann oft dazu, dass du dich von mir vielleicht nicht wertgeschätzt fühlst, wenn ich ignoriere, dass du das Essen schön anrichtest. Das hat aber nicht viel mit Wertschätzung deiner Person zu tun, sondern nur damit, dass in meiner Welt Essen nicht den Wert und die Wichtigkeit hat, wie in deiner Welt.

Wenn wir unsere verschiedenen Weltbilder kennen und akzeptieren, kann a) ich trotzdem ab und zu mal Danke sagen und das wertschätzen und b) du kannst verstehen, dass mir das Essen nicht so wichtig ist und meine fehlende Wertschätzung nicht persönlich nehmen.

Wir müssen aufhören zu denken, dass andere das Gleiche für wichtig halten wie wir. Und wir müssen aufhören, es persönlich zu nehmen, wenn sie andere Dinge für wichtig halten  – das ist egozentrisch und narzisstisch. 

Das es uns schwerfällt, die Perspektive des Anderen einzunehmen, ist logisch. Wir sehen uns als Mittelpunkt der Welt, da wir nur aus unserem Wissen, unseren Erfahrungen und unseren Glaubenssätzen sprechen können.

Es ist schwer, aus unserem Kopf herauszukommen und sich vorzustellen, wie es ist, andere Erfahrungen gemacht zu haben.* Aber wir müssen verstehen, dass es jedem von uns so geht und es so viele Welten bzw. Weltbilder auf der Erde gibt, wie es Menschen gibt.

*Dazu kommen wir am letzten Tag bei den Wahrnehmungspositionen zu sprechen.

Das Wichtigste:

1. Ich bin anders als du: Andere Werte, Erfahrungen, Glaubenssätze. 
2. Wir haben eine subjektive Landkarte der Welt.
3. Für eine gute Kommunikation müssen wir erst die Welt des Anderen verstehen.

Ein netter Fakt zum Schluss: Je länger Personen miteinander sind, desto ähnlicher wird ihr Weltbild. Paare, die sehr lange zusammen sind, haben oft die gleichen Meinungen, die gleiche Schrittlänge und sogar ähnliche Gesichtszüge.

P.S. Um zu verstehen, wie weit weg wir eigentlich von der Realität sind: Dieser Beitrag über kognitive Verzerrungen ist Gold wert, besonders das Cheat-Sheet!